Unser Statement zum erneuten Zuschuss für den Flughafen

Das Bild zeigt die leere Ankunfthallle des Bodenseeairport am Ostersamstag, ein Termin, zu dem es eigentlich in der Bodenseereigion brummen sollte.
Frank Heimpel-Labitzke

Statement zum Flughafenzuschuss Kreistag, 13. Mai 2026

Sehr geehr­ter Herr Landrat, Mitglieder der Verwaltung, sehr geehr­te Herren Geschäftsführer, lie­be Kolleg:innen im Kreistag, sehr geehr­te Bürgerinnen und Bürger, 

die Vorlage spricht von Chancen, Wachstum und stra­te­gi­scher Bedeutung. Bei genau­er Betrachtung ersetzt sie jedoch belast­ba­re Fakten durch blo­ße Annahmen.

Dem kön­nen wir nicht zustimmen.

Der Flughafen mag sich zuletzt etwas erholt haben. Aber die­se Entwicklung ist weder sta­bil noch struk­tu­rell abge­si­chert. Im Gegenteil: Die Vielzahl an Insolvenzen und Krisen, die in der Vorlage selbst genannt wer­den, zeigt, wie anfäl­lig die­ses Geschäftsmodell ist.

Trotzdem sol­len wir erneut öffent­li­che Mittel bereit­stel­len – zunächst als Darlehen, mit der klar vor­ge­se­he­nen Option, die­ses spä­ter in einen Zuschuss umzuwandeln.

Für uns ist das nichts ande­res als eine Subvention auf Vorrat.

Denn ein Darlehen, das vor­aus­sicht­lich nicht aus eige­ner Kraft zurück­ge­zahlt wer­den kann und spä­ter in einen Zuschuss über­führt wer­den soll, ist fak­tisch schon heu­te ein Zuschuss.

Hinzu kommt: Die behaup­te­ten Wertschöpfungseffekte von 55 bis 80 Millionen Euro jähr­lich sind nicht nach­voll­zieh­bar belegt. Sie wer­den mit Studien unter­legt, die nicht öffent­lich zugäng­lich sind und deren Methodik wir nicht prü­fen können.

Gerade bei Entscheidungen über Millionenbeträge reicht das aus unse­rer Sicht nicht aus.

Auch die Einordnung des Flughafens als Teil der Daseinsvorsorge tei­len wir nicht.

Daseinsvorsorge bedeu­tet die Sicherstellung grund­le­gen­der Lebensbedürfnisse – an ers­ter Stelle die Gesundheitsversorgung.

Und genau hier ste­hen wir aktu­ell vor gro­ßen finan­zi­el­len Herausforderungen!

Vor die­sem Hintergrund ist es nicht ver­tret­bar, frei­wil­li­ge Leistungen wei­ter aus­zu­bau­en. Wir müs­sen Prioritäten setzen.

Ein Regionalflughafen mag ein Standortfaktor sein – aber er ist kei­ne Pflichtaufgabe zur Daseinsvorsorge, gehört NICHT zum ÖPNV.

Auch die Aussage, der Flughafen sei ent­schei­dend für die Wettbewerbsfähigkeit der Region, über­zeugt uns nicht. Eine star­ke Wirtschaft hängt von vie­len Faktoren ab – nicht von einem ein­zel­nen Flughafen.

Und wenn gesagt wird, kein Regionalflughafen kom­me ohne öffent­li­che Mittel aus, dann ist das für uns kein Argument dafür, die­ses System dau­er­haft fortzuführen.

Im Gegenteil: Dann müs­sen wir uns fra­gen, ob die­ses Modell grund­sätz­lich trag­fä­hig ist.

Für uns ist klar:

Die wirt­schaft­li­che Tragfähigkeit ist nicht nach­ge­wie­sen.
Die Wertschöpfung ist nicht trans­pa­rent belegt.
Die Finanzierung ist fak­tisch eine wei­te­re Subvention.

Und unse­re finan­zi­el­len Spielräume brau­chen wir für ech­te Pflichtaufgaben.

Deshalb lehnt die Fraktion Bündnis90/Die Grünen die vor­ge­schla­ge­ne Unterstützung – sowohl als Darlehen als auch per­spek­ti­visch als Zuschuss – ab. Nichtsdestotrotz wün­schen wir dem Flughafen – vor­aus­ge­setzt in pri­va­ter Finanzierung – durch­aus eine Zukunft. 

Vielen Dank.