Besuch in Bad Saulgau, der Landeshauptstadt der Biodiversität

Abb.: Teilnehmer*innen am Rundgang im NaturThemenPark Bad Saulgau, 28.04.2023
Abb.: Teilnehmer*innen am Rundgang im NaturThemenPark Bad Saulgau, 28.04.2023

Das praxisnahe Konzept gegen den Verlust der biologischen

Verfasser: Johannes Übelhör, Mastorter Str. 2, 88069
mit Unterstützung von Amelie Pfeiffer (Praktikantin Freiwilliges Ökologisches Jahr) und Thomas Lehenherr, Umweltbeauftragter, Stadt Bad Saulgau

18 Kommunalpolitiker*innen und kom­mu­nal­po­li­tisch Interessierte von Bündnis 90 / Die Grünen aus den Landkreisen Ravensburg, Sigmaringen und dem Bodenseekreis haben sich am Freitag den 28.04.2023 das Bad Saulgauer Biodiversitätskonzept vom Thomas Lehenherr, Umweltbeauftragter der Stadt Bad Saulgau erläu­tern lassen.

Eingeladen dazu haben die Fraktion B90/Die Grünen/ÖDP im Bodensee-Ober- schwa­ben sowie die Fraktion B90/Die Grünen im Bodenseekreis. Im Zuge ihrer poli­ti­schen Tätigkeit haben sich ins­be­son­de­re die Mitglieder der Fraktion des Regionalverbandes inten­siv mit den Regionalen Grünzügen und der beschäf­tigt – dies ins­be­son­de­re unter dem Blickwinkel der Erhaltung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts (, Luft, Boden, Wasser) und der bio­lo­gi­schen Vielfalt (Flora, Fauna, Biotope) sowie der Sicherung von Gebieten für den vor­beu­gen­den Hochwasserschutz.

Johannes Übelhör, Vertreter für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in der Verbandsversammlung des Regionalverbandes und Kreisrat im Bodenseekreis begrüß­te die Teilnehmer*innen aus dem Württembergischen Allgäu, dem schwä­bi­schen Oberland und von der östl. bis west­li­chen Bodensee- regi­on. Er erläu­ter­te kurz die Anstrengungen im Rahmen der Beratungen zur Fortschreibung des Regionalplanes und stell­te den Zusammenhang zu Biodiversität – Arten- und her.

Seit 1992 ist Thomas Lehenherr, Umweltbeauftragter der Stadt Bad Saulgau, für das Thema Bio- diver­si­tät, in der Stadt Bad Saulgau ver­ant­wort­lich. Die Pionierarbeit der Stadt Bad Saulgau hat seit­dem meh­re­re landes‑, bun­des- und euro­pa­wei­te Auszeichnungen erhal­ten. Das Bad Saulgauer Biodiversitätskonzept erfährt zwi­schen­zeit­lich bun­des­wei­te Aufmerksamkeit und wird bereits von über 200 Gemeinden nachgeahmt.

Naturlehrpfade und Naturwanderwege, Gewässerrenaturierung, Biotopanlagen, Umwandlung von Einheitsgrün in arten­rei­ches Grün, der NaturThemenPark sind die fünf Säulen des Bad Saulgauer Biodiversitätskonzeptes. Diese wer­den beglei­tet von Öffentlichkeitsarbeit im Internet, in Fachzeit- schrif­ten, im Stadtjournal 1x wöchent­lich, durch Vorträge, einer Gartenfibel, die der­zeit als 4. Auflage vor­be­rei­tet wird, jede Menge wei­te­ren Infoflyern und wis­sen­schaft­li­cher Begleitung durch die Uni Hohenheim.

Dies immer im Kontext des Ziels Umweltbildung in Kooperation mit Schulen, Kindergärten, dem Schülerforschungszentrum etc.

Für die Stadt Bad Saulgau ist das Biodiversitätskonzept zwi­schen­zeit­lich ein wesent­li­cher tou­ris­ti­scher und wirt­schaft­li­cher Faktor. Während in frü­he­ren Zeiten Parkrasen zig-mal pro Jahr gemäht wur­de, wer­den die heu­ti­gen arten­rei­chen Blühwiesen nur zwei­mal im Jahr gemäht. Der Mineraldünger‑, Pestizideinsatz wur­de auf null zurück­ge­fah­ren, die Wechselbepflanzung wur­de eben­falls auf null redu­ziert, es wer­den nur noch dau­er­haf­te Stauden gepflanzt. Damit spart die Stadt Bad Saulgau eine gan­ze Menge Geld. Zudem konn­ten teil­wei­se städ­ti­sche Flächen in das Ökokonto der Stadt gebracht wer­den. Gleichzeitig freu­en sich Insekten, Laufkäfer und Bürger an der Blüten‑, Biotop und Insektenvielfalt.

Staudenbepflanzungen, geöff­ne­te Bodendeckerrosen, schmal­kro­ni­ge, öko­lo­gisch hoch­wer­ti­ge , 60–70% hei­mi­sche Stauden, 30–40% nicht hei­mi­sche, aber insek­ten­freund­li­che Stauden zur Überbrückung von Blühpausen, Blumenkästen in der Stadt mit ess­ba­ren Pflanzen, Unterstützung von

, Verwaltung und Bürger*innen sind neben sehr hohem Fachwissen und Engagement die wesent­li­chen Elemente, die das Biodiversitätskonzept tra­gen und zum Erfolg führen.

Neben dem obi­gen „geord­ne­ten Biodiversitätsprinzip“ hält Thomas Lehenherr das Entstehen einer Urwüchsigkeit für sehr wich­tig. Mit dem Biber hat er hier einen „Partner“ und öko­lo­gisch ori­en­tier­ten „Landschaftsarchitekten“ gefun­den, da Dieser teil­wei­se Dinge macht, wie z.B. das Aufstauen und „Unterbrechen“ von Fließgewässern, die das Landratsamt nie geneh­mi­gen würde.

Das nächs­te gro­ße Projekt „ein Praxisnetzwerk für bio­lo­gi­sche Vielfalt“ ist bereits vor weni­gen Wochen begon­nen wor­den. In die­sem wird das Bad Saulgauer Wissen zum Thema Biodiversität im Internet – https://www.bad-saulgau.de/tourismus/natur/praxisnetzwerk/ – ver­öf­fent­licht, mit dem Ziel, wei­te­ren Nachahmern auf dem Weg zum Einstieg zu einer grö­ße­ren Artenvielfalt zu hel­fen. Denn eines ist klar, so Thomas Lehenherr „die­ser Weg ist alter­na­tiv­los, wenn wir den Verlust der bio­lo­gi­schen Vielfalt, die neben dem Klimawandel die größ­te Herausforderung für die Menschheit in den nächs­ten Jahrzehnten dar­stellt, bekämp­fen wollen“.

Nach einem ca. 2 stün­di­gen Vortrag mit regem Austausch wur­de den Teilnehmer*innen eine Teilstrecke des wun­der­schö­nen NaturThemenParks gezeigt. Praxisnah und lebens­echt konn­ten sich die Teilnehmer*innen über hei­mi­sche Wildtiere, die Vogelwelt und Gewässer infor­mie­ren. Als beson­de­rer Höhepunkt konn­te zwei­mal ein Biber gesich­tet werden.

Insgesamt drei Stunden sind an die­ser beein­dru­cken­den, begeis­tern­den und Mut machen­den Veranstaltung wie im Flug vergangen.

Mit gro­ßem Applaus und klei­nem Geschenk gaben die Teilnehmer*innen ihren Dank und ihr Anerkennung an Herrn Lehenherr wei­ter, ver­bun­den mit dem Zusatz „ein wah­rer Leuchtturm und Pionier!“