Wir müssen klimaneutral werden

Beiträge zur Diskussion in den kom­mu­na­len Gremien. Stellungnahme zum Teilregonalplan (Mai )

Wir müs­sen bis 2040 kli­ma­neu­tral sein, das ist die gesetz­li­che Vorgabe (KlSchG, EE…). Der Gesetzgeber hat in Bundes- und Landesgesetzen den Ausbau der Erneuerbaren Energien gesetz­lich vor­ge­schrie­ben, weil das im über­ra­gen­den Interesse und der öffent­li­chen Sicherheit steht. Das ist folg­lich für uns alle eine ver­bind­li­che Verpflichtung, ob man Windräder und PV-Parks sehen möch­te oder nicht. Die Energiewende ist das Kernstück der Klimaneutralität für deren Erreichen der Regionalverband 2% der Fläche, 1,8 für Windkraft und 0,2 für aus­wei­sen muss.

Das 2%-Ziel ist eine kol­lek­ti­ve Aufgabe aller Beteiligten, im Land wie im Regionalverband. Der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben (RVBO) hat das gesetz­lich ver­an­ker­te 1,8%- bzw. 0,2%-Ziel umge­setzt, indem er inner­halb der drei Landkreise Bodensee, Ravensburg, Sigmaringen die jeweils geeig­ne­ten Flächen nach beschlos­se­nen Kriterien aus­ge­wählt und fair ver­teilt hat. In einem Expertengremium, bei Sitzungen des Planungsausschusses und schließ­lich in der Verbandsversammlung ist das von allen Fraktionen ein­stim­mig beschlos­sen wor­den.
Die GRÜNE hat sich jeweils kon­struk­tiv-kri­tisch eingebracht.

Die momen­tan fest­zu­stel­len­de Absicht von Kommunen das 1,8/0,2-% Ziel nur auf die eige­ne Fläche zu bezie­hen, um sich von Windkraft- und PV-Anlagen zu „befrei­en“ geht in meh­rer­lei Hinsicht fehl:

  • Erstens, weil das Ziel gesetz­lich über­re­gio­nal defi­niert ist und nicht kom­mu­nal. „Kirchturmpolitik“ ist folg­lich ungesetzlich. 
  • Zweitens, weil es gilt Regionen, die zu wenig Windkraft auf­wei­sen, mit­zu­neh­men. Fläche für PV gibt es über­all. Das gemein­sa­me Ziel ist, -, - zu sichern durch regio­na­le Energieversorgung (zumin­dest größtenteils).
  • Drittens, die rege­ne­ra­ti­ven Energien sind uner­schöpf­li­che Primärenergien ohne Abhängigkeiten. Fossile Energien und Kernkraft sind nicht uner­schöpf­lich und füh­ren zu Abhängigkeiten.
  • Windkraft und Photovoltaik ergän­zen sich. Aus bei­den lässt sich Wasserstoff als Speicherenergie für beson­de­re Anwendungen gene­rie­ren. An die beson­de­ren Bedürfnisse der Industrie gedacht, wäre es wert­schöp­fend, bei Überschuss von Wind- oder PV-Strom mit Elektrolyseuren im Gewerbepark Wasserstoff zu erzeu­gen, der zur Autonomie der Region bei­trägt. Kein gutes Geschäft?
  • Viertens, weil EE für die Standortsicherung wich­tig sind. Die Industrie bleibt da, wo güns­ti­ge rege­ne­ra­ti­ve Energie zur Verfügung ste­hen, Arbeitsplätze und Wohlstand wer­den gesichert.

Für das gemein­sa­me Klimaziel brau­chen wir Windkraft, wo viel Wind ist (bevor­zugt Wurzach, Allgäu, windhöf­fi­ge Standorte über­all), Agri-PV wo wenig Wind ist (Bodenseeregion), und über­all Photovoltaik, weil wir die son­nen­reichs­te Region des Landes sind.

  • Klimaneutralität kann ein Markenzeichen sein, z.B. für Tourismusregionen (ers­tes kli­ma­neu­tra­les Kurbad…).

Klimaneutralität errei­chen wir, wenn rund 5 GW Erneuerbare Energien instal­liert wer­den (1GW = 1000 MW = 1.000.000 KW). Dazu benö­ti­gen wir 1–1,5 GW Windkraft. 1–1,5 GW PV-Freifläche plus 2 GW Dachanlagen plus 1 GW Agri-PV. Wie man sieht, macht die Windkraft nur ca. 1/4 – 1/5 vom benö­tig­ten Klimaneutral-Bedarfs aus. Das sind rund 200 – 230 Windräder moderns­ter Bauart. Eine sol­che WKA pro­du­ziert min­des­tens 12.000 bis 14.000 kWh Strom im Jahr, das ent­spricht dem Bedarf von min­des­tens 3000 Haushalten. Die Haushalte bean­spru­chen davon nur ca. 15 %, mehr als die Hälfte (55 %) benö­ti­gen Gewerbe und Industrie und ca. 25% der Verkehr.

Die Grafik zeigt die Situation für 2040:

Quelle: BUND Studie; Bezug Agora Studie https://www.bund-stuttgart.de/fileadmin/bawue/Dokumente/Themen/Klima_und_Energie/BUND_Studie_klimaneutrale_Energieversorgung_Baden-Wuerttemberg_v8_MIT_DECKBLATT.pdf

Energiewende als gro­ße Chance:
Windkraft bean­sprucht die gerings­ten Flächen für sehr viel Energieertrag. 

  1. Photovoltaik in der Fläche kann mit Biodiversitätsmaßnahmen kom­bi­niert werden. 
  2. Agri-PV ist eine Win-Win Situation für die .
    Dach-PV bie­tet die enor­me Chance den eige­nen Strombedarf lang­fris­tig güns­tig zu gene­rie­ren, für Haushalte wie für Firmen. Flächen sind genug vor­han­den: Dächer, Parkplätze, Freiflächen, Fassaden…
  • Aus der kom­mu­na­le Abgabe von 0,2 Ct/kWh aus Windkraft- und PV-Projekten kön­nen kom­mu­na­le bür­ger­schaft­li­che Projekte finan­ziert wer­den. Der Betrag lässt sich leicht aus den auf­ge­führ­ten Zahlen errechnen.
  • Bürgerbeteiligung ist mög­lich, Bürger kön­nen sich mit versch. Modellen an der Wertschöpfung beteiligen.
  • Kommunenbeteiligung über Stadtwerke füh­ren zu nied­ri­gen Strompreisen für die Verbraucher und Anteilnahmen der Kommunen.
  • Die Bauern kön­nen ihre Felder dop­pelt nut­zen. Die bald weg­fal­len­de EEG-Vergütung für Biogas kann durch Pachtpreise ersetzt wer­den. Agri-PV ist eine Win-Win Situation für Landwirte.

In zurück­lie­gen­den Jahren haben wir in vie­len gro­ßen und klei­nen Schritten das Falsche getan.
Jetzt kön­nen wir in vie­len gro­ßen und klei­nen Schritten das Richtige tun.

Im KANT-Jahr sagt uns der kate­go­ri­sche Imperativ:
ist Zukunftssicherung und Verantwortung für nach­fol­gen­de Generationen:
Es wäre ver­nünf­tig, wenn alle das täten. Dann soll­te auch ich es tun.
(Original: “Handle nur nach der­je­ni­gen Maxime, durch die du zugleich wol­len kannst, dass sie ein all­ge­mei­nes Gesetz werde.”

Die Fraktion von links nach rechts (2019):

Franz Weber ÖDP RV; Dr. Matthias Klemm, BO; Hille Hertrampf-Fiegel, RV; Johannes Übelhör, BO; Ulrike Lenski, BO (Vorsitzende), Hans Steitz, BO; Dr. Ulrich Walz, Wangen (Vorsitzender); Martin Weiss, RV; Roswitha Pohnert, RV; Walter Widler, ÖDP RV; Jürgen Lang, RV; Helmut Bussmann, SIG; Ulrich Bauer, Wangen; Anna Pröbstle, SIG. 

Quellen: z.B.
1) Windatlas Baden-Württemberg: https://udo.lubw.baden-wuerttemberg.de/projekte/pages/map/default/index.xhtml?mapId=74ad55f2-933b-4f3d-bacc-234cfcdb73f9&repositoryItemGlobalId=.Energieatlas+Baden‑W%C3%BCrttemberg.Wind.Windatlas.windatlas_160m.mml&mapSrs=EPSG%3A25832&mapExtent=554193.6385998843%2C5278851.4664070355%2C591901.8723649381%2C5316386.328982365

Hier las­sen sich die wesent­li­chen Daten regio­nal able­sen: mitt­le­re gekapp­te Windgeschwindigkeit; mitt­le­rer Jahresertrag…

2) https://www.ise.fraunhofer.de/de/geschaeftsfelder/solarkraftwerke-und-integrierte-photovoltaik/integrierte-photovoltaik/biodiversitaets-photovoltaik-biodiv-pv.html

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/energie/erneuerbare-energien-energiewende/solarenergie/31385.html

https://www.naturschutz-energiewende.de/kompetenzzentrum/presse/pressemitteilungen/solarpaket-1-mindestkriterien-koennen-den-naturschutz-im-solarpark-staerken/

https://www.buergerenergiebodensee.de/projekte/solarpark-mooshof/

Mit Grünen Grüßen für eine nach­hal­ti­ge , die es zu gestal­ten gilt

Ulrike Lenski, Dr. Ulrich Walz, Mai 2024