Fraktionserklärung zum Zwischenbericht der Zukunftskomission 2026

In der öffent­li­chen Kreistagssitzung vom 28.07.2026 wur­de der Zwischenbericht der Zukunftskommission vor­ge­stellt. (die gesam­te Tagesordnung fin­det Ihr hier: Link zur Kreistagssitzung vom 28.07.2026)
Wir hat­ten dazu eini­ge Anmerkungen.

Fraktionserklärung

Kreistagssitzung am 28. Juli 2026

Zu den TOPs Zwischenbericht Haushalt und Zukunftskommission 2026 (es gilt das gespro­che­ne Wort)

Sehr geehr­ter Herr Landrat, sehr geehr­te Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung, sehr geehr­te anwe­sen­de Presse, sehr geehr­te Bürgerinnen und Bürger, lie­be Ratskolleginnen und Ratskollegen, 

Das Zwischenergebnis zur Zukunftskommission kom­men­tiert man sinn­vol­ler­wei­se im Zusammenhang mit dem Zwischenbericht zum Haushalt:

Den könn­te man mit der Überschrift ‚fach­lich soli­de und erfreu­lich trans­pa­rent‘ versehen: 

Der Zwischenbericht zeigt, dass die eigent­li­che Haushaltsentwicklung außer­halb des Krankenhauskomplexes der­zeit ver­gleichs­wei­se sta­bil ver­läuft.  Z.B. Bei den Transferaufwendungen fällt posi­tiv auf, dass die eigent­li­chen Sozialleistungen (Fallzahlen Eingliederungshilfe und Jugendhilfe) nicht gestie­gen sind (um 11 Mio. stei­gen die Transferaufwendungen trotz­dem wegen des Krankenhauses).

Die Liquidität sticht eben­falls posi­tiv ins Auge: Nur 17 Tage Kassenkredit bis­her ist sehr erfreu­lich (im Vergleich zu den Vorjahren 110 oder sogar 149)! 

Kurz: Das Ergebnis ist beru­hi­gend und zeugt davon, dass unse­re Verwaltung auch die­sen schwie­ri­gen HH ope­ra­tiv im Griff hat – wir haben trotz­dem natür­lich wei­ter­hin ein struk­tu­rel­les Problem. Es han­delt sich aller­dings um eini­ge Sondereffekt, wie Entnahme aus dem Bodenseefonds (1 Mio.), gerin­ge­re Gebäudeunterhaltung (2 Mio.) und Investitionen, die wir län­ger­fris­tig ja noch täti­gen müs­sen (und evtl. sogar mehr Kosten ent­ste­hen durch ver­scho­be­ne Sanierungen?). 

Transparent ist ins­be­son­de­re, dass die Verwaltung selbst dar­auf hin­weist, dass vie­le Verbesserungen auf kurz­fris­ti­genMaßnahmen beru­hen und die struk­tu­rel­le Unterfinanzierung nicht besei­ti­gen. Es wird an einer Stelle auch ehr­lich davon gespro­chen, dass die Generationengerechtigkeit bzw. inter­ge­ne­ra­ti­ve Gerechtigkeit so nicht ver­wirk­licht ist! V.a. der Einsatz der LuKIFG-Mittel ist aus grü­ner Sicht noch nicht zufrie­den­stel­lend!  Gerade des­halb soll­ten wir die struk­tu­rel­len Ursachen wei­ter kon­se­quent ange­hen, was mich zum Zwischenbericht/Umsetzungsstand der Zukunftskommission überleitet: 

Hervorzuheben ist grund­sätz­lich, dass unse­re Zukunftskommission kei­ne klas­si­sche Sparkommission war (also nach dem Motto wir strei­chen über­all 5%), son­dern eher eine Steuerungskommission

Es wur­den zunächst stra­te­gi­sche Ziele for­mu­liert und dann erst über ein­zel­ne Zuschüsse dis­ku­tiert: bes­se­re Steuerung, Digitalisierung, Investitionspriorisierung, Standarddiskussion, finan­zi­el­le Nachhaltigkeit und auch Generationengerechtigkeit!  ich möch­te nur zwei Punkte rausgreifen:

z.B. Digitalisierung: Diese wird nicht als rei­ne Sparmaßnahme ver­stan­den, es geht nicht allein dar­um, Personal durch KI oder Computer zu erset­zen! Sondern dar­um, Prozesse zu ver­bes­sern, Steuerbarkeit zu erhö­hen und dann erst ggfs. Fachkräftemangel zu begegnen. 

z.B. – und das ist eine viel­leicht noch unter­schätz­te sehr wirk­kräf­ti­ge Maßnahme: Die Einführung eines Bestellworkflows (man sieht, wel­che Mittel bereits gebun­den sind), har­ter Budgetprüfung und zen­tra­lem Controlling – so kann per­ma­nent eva­lu­iert wer­den, wel­che Wirkung ein­zel­ne Maßnahmen haben und recht­zei­tig nach­ge­steu­ert werden. 

Ein paar Fragen haben sich uns aber noch gestellt und deshalb möchten wir noch ein paar Anregungen für den weiteren Konsolidierungsprozess geben:

zu den frei­wil­li­gen Leistungen: Hier möch­te ich noch ein­mal auf den ROI Return on Investment zurück­kom­men, den wir in der HH-Rede schon auf­ge­grif­fen haben. Es soll­te nicht um weni­ger Geld, son­dern um mehr Wirkung pro ein­ge­setz­tem Euro gehen! Wir soll­ten immer unter­schei­den zwi­schen kon­sum­ti­ven Ausgaben und Investitionen mit nach­weis­ba­rer sozia­ler Rendite. Gerade Prävention und frü­he Intervention ver­ur­sa­chen heu­te Kosten, ver­mei­den aber häu­fig deut­lich höhe­re Ausgaben in der Zukunft. Deshalb soll­ten wir bei Konsolidierungsmaßnahmen genau unter­schei­den, wo wir ledig­lich Ausgaben redu­zie­ren – und wo wir lang­fris­ti­ge Einsparpotenziale gefähr­den. Die Fragestellung für den wei­te­ren Prozess wäre also: Wie wird sicher­ge­stellt, dass bei den ver­blei­ben­den frei­wil­li­gen Leistungen künf­tig stär­ker nach Wirkung prio­ri­siert wird?

Zu den neu­en Standards, die defi­niert wur­den: z.B. Schulentwicklungsplanung (Optimierung von vor­han­de­nen Flächen, Priorisierung von Investitionen über die nächs­ten 10 Jahre). Die Fragestellung für den wei­te­ren Prozess wäre hier: Eine sys­te­ma­ti­sche Übersicht “Welche Standards wur­den geän­dert, wel­che finan­zi­el­len Wirkungen erwar­ten wir dadurch?” wäre hilf­reich. Insgesamt wären sinn­vol­ler­wei­se Kennzahlen zu iden­ti­fi­zie­ren (z.B. Liquidität, Investitionsquote, Neuverschuldung etc.), anhand derer der Kreistag jähr­lich über­prü­fen kann, ob die Zukunftskommission ihre Ziele tat­säch­lich erreicht? Das wären die nächs­ten logi­sche Schritte! Man kann sich das aus dem Zwischenbericht zum HH schon erschlie­ßen, aber so wäre es für die poli­ti­sche Ebene leich­ter und v.a. schnel­ler prüfbar!

Das soll kei­ne (nach­ge­scho­be­ne) Kritik sein, son­dern ist eher wie­der stra­te­gisch gemeint: Die Zukunftskommission war der Start eines lang­fris­ti­gen Steuerungsprozesses – jetzt muss der Kreistag mög­lichst effi­zi­ent regel­mä­ßig über­prü­fen, ob die­ser Prozess tat­säch­lich die ange­streb­ten Wirkungen (und dabei sind nicht nur finan­zi­el­le Wirkungen zu beach­ten) entfaltet.

Silvia Queri/Fraktionssprecherin

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