Hier gehen bald die Lichter aus

Klinik Tettnang
Hans Schöpf | Klinik Tettnang schließt

Klinik Tettnang schließt

Es ist natür­lich ein sehr uner­freu­li­cher Einschnitt für die Tettnanger Bevölkerung, wenn die ört­li­che Klinik schließt. Die gute und wohn­ort­na­he Versorgung durch das tra­di­tio­nel­le und lieb­ge­won­ne­ne Haus war schön.

Trotz der jet­zi­gen Schließung des Klinikbetriebes mit sta­tio­nä­rem Bettenhaus bleibt die Hoffnung, dass vor Ort den­noch eine gute Versorgung gewähr­leis­tet bleibt, auch wenn ein sta­tio­nä­rer Aufenthalt nicht mehr mög­lich sein wird. Im Krankenhaus sind Operationssäle mit hohem Standard vor­han­den, die man wei­ter zumin­dest für ambu­lan­te Eingriffe nut­zen sollte.

Dem jet­zi­gen Punkt der Entwicklung ist eine lan­ge Geschichte vor­aus­ge­gan­gen, die m.E. ihren Ausgang bereits in der dama­li­gen Privatisierung des ehe­ma­li­gen Kreiskrankenhauses und die Übernahme durch Waldburg-Zeil genom­men hat, wenn nicht noch frü­her. Schon 1980 wur­de in „Der Bodenseekreis“, Hrsg. Bernd Wiedmann, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, das Krankenhauswesen im Bodenseekreis pro­ble­ma­ti­siert. Von einem Bettenüberhang wur­de berich­tet. Die inter­ne Sanierung des Tettnanger Krankenhauses soll­te zulas­ten des Bettenbestandes erfol­gen. Dem zuwi­der wur­de dann doch ein Erweiterungsbau geneh­migt. Es folg­te dann die Übernahme durch die Stadt Friedrichshafen und der Zusammenschluss mit 14-Nothelfer in Weingarten.

Alles ver­zwei­fel­te und nicht immer kon­se­quen­te Versuche, meh­re­re Häuser zu hal­ten, obwohl abseh­bar war, dass sich unse­re Krankenhauslandschaft wird ver­än­dern müs­sen. Und die­ser Zwang zur Veränderung wur­de dann beschleu­nigt durch Corona und Vorkommnisse vor Ort, die das Vertrauen der Bevölkerung und der Belegschaft erschüt­tert hat.

Und zuletzt kam dazu, dass in Friedrichshafen die Stiftungserlöse weg­ge­bro­chen sind, mit denen das hohe Defizit über Jahre noch aus­ge­gli­chen wer­den konn­te. Und das in einer Zeit, wo die Kommunen – Städte, Gemeinden und Landkreise – mit ihren Haushalten auf Kante fah­ren oder noch schlim­mer. Wer ist denn bereit und in der Lage die­se Defizite zu tragen?

Wer geglaubt hat, dass sich an unse­rer Krankenhauslandschaft ohne schmerz­haf­te Eingriffe nichts ändern wird, hat traum­tän­ze­risch die Augen vor Realitäten verschlossen.

Es ist zu hof­fen, dass auf allen Ebenen, vom Bund über die Länder bis zum Landkreis als letzt­lich für die sta­tio­nä­re Gesundheitsversorgung vor Ort ver­ant­wort­lich, zukunfts­träch­ti­ge und dau­er­haft finan­zier­ba­re Lösungen gefun­den wer­den, um die­se best­mög­lich zu gewährleisten.

Nicht nur für die Tettnanger Patientinnen und Patienten ist die­se Schließung ein her­ber Verlust, er trifft min­des­tens eben­so hart die Angestellten. Wir als Fraktion der Grünen möch­ten uns auf die­sem Wege für die jah­re­lan­ge für­sorg­li­che Arbeit der Belegschaft unse­res Krankenhauses bedan­ken und allen viel Glück und Erfolg für den wei­te­ren beruf­li­chen Weg wünschen.