Klinik Tettnang schließt
Es ist natürlich ein sehr unerfreulicher Einschnitt für die Tettnanger Bevölkerung, wenn die örtliche Klinik schließt. Die gute und wohnortnahe Versorgung durch das traditionelle und liebgewonnene Haus war schön.
Trotz der jetzigen Schließung des Klinikbetriebes mit stationärem Bettenhaus bleibt die Hoffnung, dass vor Ort dennoch eine gute Versorgung gewährleistet bleibt, auch wenn ein stationärer Aufenthalt nicht mehr möglich sein wird. Im Krankenhaus sind Operationssäle mit hohem Standard vorhanden, die man weiter zumindest für ambulante Eingriffe nutzen sollte.
Dem jetzigen Punkt der Entwicklung ist eine lange Geschichte vorausgegangen, die m.E. ihren Ausgang bereits in der damaligen Privatisierung des ehemaligen Kreiskrankenhauses und die Übernahme durch Waldburg-Zeil genommen hat, wenn nicht noch früher. Schon 1980 wurde in „Der Bodenseekreis“, Hrsg. Bernd Wiedmann, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, das Krankenhauswesen im Bodenseekreis problematisiert. Von einem Bettenüberhang wurde berichtet. Die interne Sanierung des Tettnanger Krankenhauses sollte zulasten des Bettenbestandes erfolgen. Dem zuwider wurde dann doch ein Erweiterungsbau genehmigt. Es folgte dann die Übernahme durch die Stadt Friedrichshafen und der Zusammenschluss mit 14-Nothelfer in Weingarten.
Alles verzweifelte und nicht immer konsequente Versuche, mehrere Häuser zu halten, obwohl absehbar war, dass sich unsere Krankenhauslandschaft wird verändern müssen. Und dieser Zwang zur Veränderung wurde dann beschleunigt durch Corona und Vorkommnisse vor Ort, die das Vertrauen der Bevölkerung und der Belegschaft erschüttert hat.
Und zuletzt kam dazu, dass in Friedrichshafen die Stiftungserlöse weggebrochen sind, mit denen das hohe Defizit über Jahre noch ausgeglichen werden konnte. Und das in einer Zeit, wo die Kommunen – Städte, Gemeinden und Landkreise – mit ihren Haushalten auf Kante fahren oder noch schlimmer. Wer ist denn bereit und in der Lage diese Defizite zu tragen?
Wer geglaubt hat, dass sich an unserer Krankenhauslandschaft ohne schmerzhafte Eingriffe nichts ändern wird, hat traumtänzerisch die Augen vor Realitäten verschlossen.
Es ist zu hoffen, dass auf allen Ebenen, vom Bund über die Länder bis zum Landkreis als letztlich für die stationäre Gesundheitsversorgung vor Ort verantwortlich, zukunftsträchtige und dauerhaft finanzierbare Lösungen gefunden werden, um diese bestmöglich zu gewährleisten.
Nicht nur für die Tettnanger Patientinnen und Patienten ist diese Schließung ein herber Verlust, er trifft mindestens ebenso hart die Angestellten. Wir als Fraktion der Grünen möchten uns auf diesem Wege für die jahrelange fürsorgliche Arbeit der Belegschaft unseres Krankenhauses bedanken und allen viel Glück und Erfolg für den weiteren beruflichen Weg wünschen.