Fraktionsbesuch bei der Gemeinschaftsschule

Fraktion in der Gemeinschaftsschule
Hans Schöpf | Besuch in der Gemeinschaftsschule

Spannende Erkenntnisse zu Outdoorklassen

(an, 13.03.2026) Als die drei Rektoren unse­rer drei wei­ter­füh­ren­den Tettnanger Schulen sich und ihre Schulen im Gemeinderat vor­stell­ten, beka­men wir Lust, mehr über die Gemeinschaftsschule und spe­zi­ell deren Outdoorklasse zu erfah­ren. Wir baten um Einladung – heu­te waren wir dort.

Empfangen wur­den wir vom Schulleiter Wolfram Schellhase, sei­nem Stellvertreter Tomas Seybold und der out­door-affi­nen Kollegin Claudia Colas.

Zunächst wur­de uns das Konzept der Outdoor-Klassen mit­samt kon­kre­ter Umsetzung in Tettnang erläu­tert. Seit dem ver­gan­ge­nen Schuljahr kön­nen die Eltern ihr Kind spe­zi­ell für die Outdoorklasse anmel­den. Aktuell gibt es also eine fünf­te und eine sechs­te Klasse als Outdoorklasse. Das bedeu­tet, dass an einem Tag in der Woche der Unterricht vor­mit­tags im Freien statt­fin­det. Nötig sind dazu Orte, an denen Unterricht statt­fin­den kann und die sani­tä­re Einrichtungen bie­ten. Dazu wur­de zunächst eine Kooperation mit Forst-BW geschlos­sen, sodass die fünf­ten Klassen einen Tag im Wald bei Tannau ver­brin­gen kön­nen. Die nächs­te Kooperation wur­de mit dem Naturschutzzentrum Eriskirch geschlos­sen, wo nun die sechs­ten Klassen unter­rich­tet wer­den. Eine neue Kooperation für die sieb­ten Klassen hat sich mit dem Hopfengut 21 erge­ben, ab nächs­tem Schuljahr wer­den die sieb­ten Klassen dort sein können.

Eingefädelt hat das Kollegium die­se Form des Unterrichtens selbst, hat ein Konzept ent­wi­ckelt, Kooperationspartner gewon­nen, und erst ganz zum Schluss, als es schon nicht mehr dage­gen sein konn­te, das Schulamt infor­miert. So muss man es machen!

In der frei­en Natur ler­nen die Kinder die­sel­ben Inhalte wie in den Klassenräumen, wenn­gleich auch immer wie­der mit Einbindung der Natur, sei es geplant oder spon­tan, wenn z.B. ein gera­de vor­bei­flie­gen­der Greifvogel bestimmt wer­den muss. Frau Colas berich­te­te, wie deut­lich anders das Lernverhalten der Kinder in die­sen Unterrichtsstunden sei, sie sei­en mehr bei der Sache und durch die Lernform in vie­len klei­nen Gruppen, da ja nur wenig gemein­sa­mer Input mög­lich ist, indi­vi­du­ell inten­siv am Lernvorgang betei­ligt. Klar sei aber auch, dass so eine Organisation nur mit hohem Aufwand und Einsatz der Kolleginnen und Kollegen zu stem­men sei. So brau­che man schon allei­ne für jede Outdoorstunde dop­pel­te Lehrerdeputatsstunden, weil immer zwei Kolleginnen oder Kollegen gleich­zei­tig die Klassen begleiten.

Natürlich haben wir auch gefragt, wo denn im Kollegium der Schuh drückt. Im Wesentlichen wur­den zwei Themen benannt:
Das eine Thema ist ein lan­des­po­li­ti­sches Thema, die Inklusion. Inklusive Beschulung ist ein Recht, das Eltern ein­for­dern kön­nen, was lei­der oft dazu füh­re, dass Eltern von Inklusionskindern ent­schei­den, ihre Kinder an die Gemeinschaftsschule zu schi­cken. Dort aber sind die Fördermöglichkeiten auf­grund der gerin­gen Mittel, gera­de mal zwei Stunden pro Woche Begleitung durch sozi­al­päd­ago­gi­sches Personal, äußerst gering, sodass vie­le der inklu­siv beschul­ten Kinder wirk­lich dar­un­ter lit­ten, beim Unterricht ein­fach nicht mit­zu­kom­men. Deutlich sinn­vol­ler wäre eine Regelung, bei der das Lehrpersonal ent­schei­det, für wel­ches Kind eine inklu­si­ve Beschulung gewinn­brin­gend wäre und wel­ches Kind an einem SBBZ, einer Schule für Kinder mit spe­zi­el­lem Förderbedarf, bes­ser ler­nen könn­te und viel mehr indi­vi­du­el­le Förderung erfah­ren könn­te.
Das zwei­te gro­ße Thema war die IT. Wie in mei­ner Schule, dem Montfort-Gymnasium, macht auch dem Kollegium der Gemeinschaftsschule die Fehleranfälligkeit ver­schie­de­ner IT-Bereiche das Unterrichten oft unnö­tig schwer. Seit der Umstellung des Schulmailsystems kom­men Mails teil­wei­se ver­spä­tet, manch­mal gar nicht an. Die neu­en Whiteboards, die die ver­al­te­ten Beamer erset­zen, über­tra­gen manch­mal ein­fach gefühlt will­kür­lich nichts, weder von Laptops noch von den Dokumentenkameras, sodass man sich bei der Unterrichtskonzeption nicht auf sie ver­las­sen kann; manch­mal dage­gen über­tra­gen sie spon­tan den Unterricht aus dem Klassenzimmer neben­an oder gar aus einer der ande­ren Schulen… Zum Glück hat die Gemeinschaftsschule einen Trick gemacht und ein­fach die alten klas­si­schen Tafeln mit Kreide nicht deinstal­liert.
Die Stadt und ins­be­son­de­re das für die IT zustän­di­ge Personal der Stadt emp­fin­den die drei KollegInnen aus der GMS aber als sehr wohl­wol­lend und enga­giert für die Schule.

Sehr geschwärmt haben die drei ins­ge­samt von ihrer Elternschaft. Sie haben den Eindruck, dass sich wie­der mehr Kinder und Eltern genau für die­se Schule ent­schie­den und so auch sehr ger­ne bereit sei­en, für die Schulgemeinschaft Aufgaben wie zum Beispiel Fahrdienste zu übernehmen.

Ich den­ke, wie kön­nen froh sein, in Tettnang eine Gemeinschaftsschule mit so enga­gier­ten und den Kindern so zuge­wand­ten Lehrerinnen und Lehrern zu haben.